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Meta-Rubrics als Alternative zu herkömmlichen Tests

In vielen Bildungskontexten muss Lernfortschritt bzw. Lernerfolg früher oder später evaluiert und bewertet werden. Lehrpersonen oder Lernbegleiter sind dann gefordert, Musterlösungen und Bewertungsschemata zu entwickeln und die von den Teilnehmenden erbrachten Leistungen zu bewerten.

Der Entscheidungsraum zur Auswertung von Prüfungsaufgaben bzw. Prüfungen ist mehrdimensional (vgl. Metzger / Nüesch 2004, S. 30):

  • Aufgabenlösungen können global oder analytisch, aufgabenübergreifend oder aufgabenspezifisch bewertet werden.
  • Die in den Aufgabenlösungen manifestierten Leistungen können quantitativ oder qualitativ beurteilt werden.
  • Bewertungsmasstäbe für Leistungen können aufgabenbezogen, gruppenbezogen oder individuumsbezogen gestaltet werden.

Für die Bewertung von offenen Aufgabenstellungen (z.B. schriftliche Ausarbeitungen oder Portfolios) bieten sich Rubrics bzw. Bewertungsraster oder Bewertungsmatrizen an. Eine solche Matrix besteht aus folgenden Elementen (vgl. die folgende Abbildung):

  • Bewertungskriterien
  • Leistungs- bzw. Bewertungsstufen
  • Beschreibungen / Spezifizierungen zu den Leistungs- bzw. Bewertungsstufen

 

Bildquelle: https://www.uen.org/rubric/know.shtml

 

Aber: je offener Lehr-/Lernsituationen gestaltet und je mehr projektbasiertes Lernen oder personalisierte Lernpfade ermöglicht werden, desto schwieriger wird es, Leistungen fair zu bewerten.

Vor diesem Hintergrund wurden am Teachings Systems Lab des MIT (TSL) ein Konzept und Arbeitshilfen für „MetaRubrics“ entwickelt. Die Idee dahinter ist folgende:

  • Lernende können verschiedene Wege verfolgen und dennoch konstruktives Feedback und Wertschätzung für ihre Arbeit erhalten
  • Lernende erfahren, was es heisst, Leistungen zu bewerten

 

Obwohl für den Kontext Schule entwickelt, lässt sich das Verfahren auch auf anderen Bildungsstufen anwenden. Folgende Schritte gehören dazu:

  • Lernende erarbeiten Lösungen zu einem Auftrag (z.B. ein Poster zu einem vorgegebenen oder selbst gewählten Thema zu erstellen)
  • Lernende betrachten die entstandenen Lösungen / Poster
  • Lernende formulieren Vorschläge für einen Kriterienkatalog zur Bewertung der Poster
  • Lernende entwickeln ein gemeinsames Beurteilungsraster zur Bewertung der Poster
  • Lernende bewerten alle vorliegenden Lösungen / Poster (und damit auch die eigene Ausarbeitung) anhand des gemeinsam definierten Kriterienkatalogs

 

 

Als Arbeitshilfen verfügbar sind ein Set Meta Rubric Cards, ein Bewertungsbogen und ein Leitfaden zum Thema: https://tsl.mit.edu/projects/metarubric/


Metzger, Christoph; Nüesch, Charlotte (2004): Fair prüfen. Ein Qualitätsleitfaden für Prüfende an Hochschulen. St. Gallen: IWP-HSG (Hochschuldidaktische Schriften, 6).

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