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Augmentation – ein neues Arbeitsfeld für L&D

Fortgeschrittene digitale Systeme im Arbeitsfeld

Fortgeschrittene, durch künstliche Intelligenz (KI) unterstützte digitale Systeme finden zunehmend Eingang in unsere Arbeitswelt. Die Beispiele hierfür sind vielfältig:

  • Bots in der Tourismus-Industrie, die die Verfügbarkeit passender Angebote prüfen und gleichzeitig Kundenpräferenzen identifizieren und berücksichtigen können;
  • Bots in der Medienbranche, die einfache Texte (z.B. Unternehmensnachrichten oder Sportergebnisse) automatisch erstellen;
  • Bots im Kundendienst, die einfache, wiederkehrende Kundenanfragen automatisch beantworten;
  • Systeme für das Übersetzen von Texten von einer Sprache in eine andere;
  • Systeme, die basierend auf Spracherkennungs-Algorithmen, automatisch schriftliche Protokolle zu Sitzungen erzeugen;
  • Systeme für die Steuerprüfung, die Anomalien bei Unterlagen / Erklärungen identifizieren;
  • Systeme für die Anlageberatung, die Risikoprofil-konforme Anlageentscheidungen treffen;
  • Systeme für die Logistik, die Engpässe bei der Verfügbarkeit von Ersatzteilen prognostizieren und identifizieren sowie auch bei deren Bewältigung unterstützen;
  • medizinische Diagnosesysteme, die anhand von Bilddaten Gewebeanomalien identifizieren.

Die Tatsache, dass wir neue Werkzeuge und Hilfsmittel in Arbeitsfelder integrieren (müssen), ist nicht neu. Neu ist, dass die oben genannten Systeme auf künstlicher Intelligenz bzw. maschinellem Lernen (ML) beruhen und kontinuierlich besser und leistungsfähiger werden: durch „Training“ mit speziellen Datensets (überwachtes Lernen); durch das Entdecken von Mustern in Datensets (unüberwachtes Lernen); oder durch Rückkopplungsmechanismen (Verstärkungslernen).

Augmentation statt Substitution

Vor diesem Hintergrund wird über die Auswirkungen auf Beschäftigung und Arbeitsmarkt diskutiert („Welche Beschäftigten werden wann von intelligenten Maschinen ersetzt?“). Dabei liegt das eigentliche Potenzial in einem gut gestalteten Zusammenwirken von Menschen und (intelligenten) Maschinen. Garry Kasparow war schon sehr früh mit der Leistungsfähigkeit von Computern in seinem Fachgebiet konfrontiert. Und er hat in der Folge eine neue Variante von Schachwettkämpfen initiiert: Advanced Chess. Hier treten Schachspieler unterstützt von ihren jeweils eigenen Computern gegeneinander an. Dabei hat er folgendes beobachtet:

 

A weak human player plus a machine plus a better process is superior to a very powerful machine alone but more remarkably is superior to a strong human player plus machine and an inferior process.

Bildquelle: http://labs.sogeti.com/decision-support-better-than-machine-intelligence/

 

Das Potenzial eines guten Zusammenspiels von Menschen und intelligenten Maschinen zeigt sich auch in den Ergebnissen einer Studie zur Diagnose von Brustkrebs-Gewebe: ein Pathologe, der ein KI-basiertes System zur Unterstützung heranzieht, erzielt deutlich bessere Ergebnisse (geringere Fehlerquote) als ein Pathologe ohne ein solches Unterstützungssystem, aber auch als ein KI-basierte System für sich allein genommen.

Bildquelle: https://blogs.nvidia.com/blog/2016/09/19/deep-learning-breast-cancer-diagnosis/

 

Aufgaben für Personalentwickler und Bildungsverantwortliche

Die geschilderten Veränderungen können bei den Beschäftigten in Unternehmen und Organisationen Verunsicherung auslösen und gegebenenfalls auch die Bereitschaft für Veränderung blockieren. Es braucht die Diskussion zu diesen Veränderungen, ein Verständnis zu den laufenden Entwicklungen und es braucht eine Sicht auf mögliche Entwicklungspfade für die Beschäftigten.

Für Personalentwickler und Bildungsverantwortliche stellen sich die folgenden Fragen und Aufgaben:

  • Haben wir die Kompetenz und das Mandat, uns mit diesem zukunftsgerichteten Thema zu beschäftigen?
  • Verstehen unsere Führungskräfte und unsere Mitarbeitenden die oben aufgezeigten technischen Entwicklungen und deren Konsequenzen – für Arbeit und Beschäftigung ebenso wie für Zuversicht, Engagement und Innovationsbereitschaft?
  • Wie können / sollen wir mit Verunsicherung und den Fragen der Beschäftigten umgehen?
  • Welche Entwicklungsoptionen können wir aufzeigen? (Step in / Step up / Step aside / etc. – mehr zu diesen Entwicklungsoptionen in diesem Blogpost). Welche Entwicklungsoptionen machen für wen Sinn? (Einzelpersonen, Funktionen, Beschäftigtengruppen)
  • Wie können wir diese Entwicklungsoptionen spezifizieren und erfolgreich umsetzen?
  • Über welche Methoden und Leistungsindikatoren können wir Veränderungen beobachten und Erfolg ausweisen?

 

Das Arbeitsprogramm für den scil-Innovationskreis 2018. Bildquellen: scil, bitkom, techleer

 

Im Rahmen des scil-Innovationskreises 2018 werden wir diese Themen bearbeiten. Ziel des auf ca. neun Monate angelegten Konsortialprojekts ist es, einen Werkzeugkoffer zum Thema für Personalentwickler und Bildungsverantwortliche zusammenzustellen. Das Kick-off zum Innovationskreis findet am 20.09.2018 in St.Gallen statt. Eine Beteiligung ist noch möglich.

 


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