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Kurze Animationen als Lernressourcen

Der Einsatz von Lehrfilmen und kurzen Videos als Lernressourcen hat lange Tradition. Ihr Potenzial zur Unterstützung von Lernprozessen liegt in zwei Aspekten begründet: erstens, weil sie Vorgänge und Handlungen detailliert und modellhaft aufzeigen können; zweitens, weil darin reale Personen als Bezugspersonen zu Wort kommen können und Erfahrungen authentisch und eindrücklich vermitteln können.
Allerdings ist die Produktion von Videos lange Zeit sehr aufwändig gewesen und erforderte spezielle Kompetenzen (Kameraführung, Ton, Beleuchtung, Schnitt) sowie Personen, die bereit sind, vor der Kamera zu stehen. In 2007 begann die Firma commoncraft damit, Erklärvideos zu erstellen, die in wenigen Minuten mit einfachsten Mitteln komplexe Konzepte erläutern („RSS in plain English“ war das erste dieser Videos und erhielt gleich sehr viel Aufmerksamkeit im sich gerade entwickelnden social web). Von diesen sehr reduzierten Videos ist es nicht mehr weit zu Animationen, die ein vergleichbares Potenzial bieten, aber komplett am Computer realisiert werden können (vgl. hierzu eine Studie aus der Zeitschrift „Electronic Journal of e-Learning“ aus dem Jahr 2012).
Wem es zu aufwändig ist, für ein kurzes Erklärvideo eine Kamera aufzubauen, auf die Lichtverhältnisse zu achten, kleine Bilder auf Pappe oder Papier aufzuzeichnen und auszuschneiden sowie einen Kollegen oder eine Kollegin mit guter Sprechstimme herbeizuziehen, kann einfache und kurze Erklärvideos mittlerweile auch komplett am PC realisieren. Dafür braucht es auch keine spezialisierte Software und keine ausgebildeten Medientechniker mehr. Verschiedene Anbieter bieten inzwischen Webservices an, mit denen einfache Animationen am PC erstellt werden können. Ein weiterer Vorteil von Animationen gegenüber Videos ist, dass man die visuelle Information stärker fokussieren und abstrahieren kann (Videoaufzeichnungen, z.B. von Rollenspielen, transportieren häufig Informationen, die nicht erforderlich sind oder sogar ablenken – etwa wenn Teile der räumlichen Umgebung sichtbar werden oder Kleidung / Frisuren der Personen von der zentralen Information ablenken). Darüber hinaus können Animationen einfacher nachbearbeitet und akutalisiert werden, als dies bei Videos mit Personen / Schauspielern der Fall ist. Und schliesslich bieten Animationen als vollständig am PC realisierte digitale Produktionen das Potenzial für die Wiederverwendung von einzelnen Elementen – etwa Szenerien oder Figuren.
Unsere ehemalige Praktikantin Alexandra Achtzehn und unsere Hilfskräfte Oliver Zähner und Michel Bürki haben dies in den letzten Monaten (wann immer mal gerade nichts Dringendes zu tun war) ausprobiert. Wir wollten dabei herausfinden, (1) wie gut es uns gelingt, ein Konzept im Rahmen eines animierten Kurzfilms in attraktiver Weise (und mit etwas Spass) zu vermitteln und (2) ein Modell zu erzeugen, dass für weitere Themen beliebig oft kopiert und mit wenig Aufwand angepasst werden kann.
Das von uns entwickelte Modell umfasst folgende zentrale Elemente:

  • eine einfache Szenerie, die als Ort der Diskussion von Themen im Bereich Learning & Development taugt;
  • zwei Personen, die kontrastierende Typen repräsentieren und darüber für ein Spannungselement sorgen (die innovative L&D Expertin und der abgeklärte Manager, der nicht L&D Experte ist);
  • Missverständnisse als Quelle für Spannung und Humor;
  • Umfang weniger als 2 Minuten.

Das Thema, das wir uns für unsere Pilotierung vorgenommen hatten, war ein Nutzungsszenario für MOOCs in Unternehmen. Wir haben zunächst ein kurzes Drehbuch (2 Seiten) entwickelt. Dann wurden verschiedene Webservices, die als Produktionsgrundlage in Frage kommen, angeschaut. Wichtig war für uns, dass wir keine Sprecher einbinden müssen. Der damit verbundene Aufwand (Planung, Logistik, Sprecher-Honorare) war uns zu gross und wir wollten maximale Flexibilität für eventuelle spätere Anpassungen / Nachbesserungen. Schliesslich haben wir entschieden, mit goanimate zu produzieren. Hier steht beispielsweise eine Text-to-speech engine zur Verfügung, über die Texteingaben automatisch als Sprechstimmen ausgegeben werden können – und zwar in vielen verschiedenen Sprachen (u.a. Englisch und Deutsch). Und die Lizenzkosten sind mit US $ 99 für 3 Monate für uns tragbar.
Zunächst haben wir eine erste Version in Englischer Sprache erstellt. Diese haben wir dann kopiert und eine noch etwas geglättete deutschsprachige Fassung erstellt.
Das Ergebnis sind diese beiden Kurzvideos:

(deutsche Fassung)

(englische Fassung)
Wir sind der Meinung, dass wir damit für uns ein tragfähiges Modell entwickelt haben, mit dem wir recht einfach und schnell weitere solche Animationen zu anderen Themen erstellen könnten. Ob wir aber die Zeit dazu finden werden, steht auf einem anderen Blatt. Schliesslich sind dies Spass-Arbeiten und unsere Kundenprojekte haben nun einmal Vorrang…
In jedem Fall interessiert uns, was unsere Leser dazu meinen. Sind die Videos verständlich? Informativ? Amüsant? Wir freuen uns auf Kommentare, Hinweise und Vorschläge!
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Hier noch einige Anbieter von Web-Services für das Erstellen von Animationen:

Commoncraft und goanimate sind übrigens kürzlich eine Partnerschaft eingegangen, so das jetzt die bei commoncraft verfügbaren Bildbibliotheken für Erklärvideos in Produktionen mit goanimate genutzt werden können.
Und hier noch ein Verweis auf einen Blogbeitrag, in dem weitere Werkzeuge für das Erstellen von Animationen kurz vorgestellt werden („50 Animation tools and resources for digital learners„).
Visualisierungen und Animationen sind übrigens auch Thema unseres scil Learning Day „Visualisierungen“ am 18. März 2015.

Ein Gedanke zu „Kurze Animationen als Lernressourcen

  1. […] hat Christoph Meier in seinem Beitrag „Kurze Animationen als Lernressourcen“ beschrieben, wie mit einigen Tools relativ einfach und kostengünstig Animationsvideos […]

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